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Gesundheitsreform 2027 und die Folgen für Logopäden

Der aktuelle GKV-Finanzreform-Entwurf und die notwendige Neuausrichtung unserer Interessenvertretung

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Bundesregierung hat für den 29. April 2026 den Kabinettsbeschluss für ein neues Gesetz zur Stabilisierung der GKV-Finanzen angekündigt. Angesichts drohender Milliardendefizite sieht dieser Entwurf massive Einsparungen vor. Für uns als Heilmittelerbringer bedeutet dies eine weitere Verschärfung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Als Vorsitzender des VDLS möchte ich die aktuelle Lage und die Rolle der Berufsverbände in diesem Prozess sachlich analysieren.

  • Für 2027 ist eine Nullrunde geplant.
  • Wiedereinführung an die Grundlohsummenanpassung
  • In den Jahren 2028 bis 2029 soll die Anpassung 1 % unter der GLSA liegen
  • Die Zuzahlung steigt von 10 auf 15 €, und soll dynamisch gesteigert werden

Der aktuelle Kontext: Politische Weichenstellungen

Der vorliegende Reformvorschlag der Bundesgesundheitsministerin basiert maßgeblich auf den Empfehlungen einer Finanzkommission und zielt darauf ab, das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen durch Ausgabenbegrenzungen zu reduzieren. Während Themen wie die Vollakademisierung oder der Direktzugang zwar weiterhin diskutiert werden, droht die wirtschaftliche Sicherung unserer Praxen in den Fokus von Sparmaßnahmen unter zu gehen.

Analyse der bisherigen Verbandspolitik

Bei einer sachlichen Betrachtung der letzten Jahre wird deutlich, dass die Strategien der etablierten Berufsverbände der Logopädie eher geschadet als genützt haben. Die erzielten Abschlüsse lagen regelmäßig unter den Spielräumen der Grundlohnsummenanpassung. Diese Politik der „kleinen Schritte“ hat zu einer strukturellen Unterfinanzierung geführt, die nun fatale Folgen zeigt:

  • Fachkräftemangel: Die mangelnde wirtschaftliche Attraktivität erschwert die Gewinnung von Nachwuchskräften massiv. Das Durchschnittseinkommen von Logopäden liegt derzeit rund 1.000 € unter dem Einkommensdurchschnitt in Deutschland. Logopäden müssen ihre Ausbildung teilweise selbst finanzieren, und erhalten Keine Ausbildungsvergütung. Die Anzahl der ohnehin wenigen Logopäden in Deutschland hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen.
  • Versorgungsnotstand: Bewerbermangel führt direkt zu monatelangen Wartezeiten für Patienten, was die professionelle Versorgung zunehmend gefährdet.

Die Position des VDLS: Abkehr von schädlichen Verhandlungstraditionen

Der VDLS vertritt die Auffassung, dass das bisherige System der Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Berufsverbänden den Therapienotstand nicht beseitigen kann – im Gegenteil: Es hat ihn mitverursacht. Die rituellen Gespräche, die oft in Schiedssprüchen enden, verwalten lediglich den Mangel, anstatt eine auskömmliche Vergütung sicherzustellen. Das Realeinkommen von Logopäden hat in den letzten Jahren abgenommen, während andere Bereiche wie die Pflege oder Ärzte einen deutlichen Einkommenszuwachs verzeichnen konnten.

Schon die Betrachtung der Unterschiede bei der Anpassung der Grundlohnsumme in den Jahren 2021 bis 2026 offenbart das Versagen der „Verhandlungen“ zwischen Krankenkassen und Berufsverbänden offenbart das Versagen der derzeitigen Regelung. So betrug die Summe der Anpassung nach Grundlohn 27 %, die Summe der Erhöhungen durch Verhandlung der Berufsverbände jedoch nur 15 %.

Kein Wunder dass Logopäden sich anderen Berufen zuwenden!

Wir fordern daher einen grundlegenden Systemwechsel:

  1. Auflösung der Kopplung an die Grundlohnsumme: Diese Deckelung verhindert eine leistungsgerechte Honorierung, die die realen Betriebskosten und die hohe Qualifikation widerspiegelt.
  2. Ende des wirkungslosen Konsenses: Verhandlungen, die Abschlüsse unterhalb der Inflations- oder Lohnentwicklungsrate akzeptieren, sind für unseren Berufsstand existenzbedrohend.
  3. Politische Neuausrichtung: Der VDLS fordert Rahmenbedingungen, die die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Praxen stärken, damit wir als attraktive Arbeitgeber den Fachkräftemangel aktiv bekämpfen können. Angestellte Logopäden sollten zumindest das Durchschnittseinkommen im Tarif öffentlicher Dienst erreichen = 4.800 € Brutto.

Fazit

Der aktuelle Gesetzentwurf zur GKV-Finanzierung unterstreicht die Dringlichkeit einer starken, kompromisslosen Interessenvertretung. Der VDLS wird sich nicht länger an Verhandlungsmodellen beteiligen, die nachweislich zu Lasten der Praxisinhaber und der Patientenversorgung gehen. Nur durch eine Abkehr von diesen schädlichen Strukturen können wir die Zukunft der Logopädie sichern.

Manfred Herbst, 1. Vorsitzender VDLS e.V.

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