Jahresrückblick 2017

 

Erstes Halbjahr 2017

 

Seit der Gründung des VDLS am 19.02.2017 in Köln ist doch schon so manches geschehen, dass so nicht vorauszusehen war. So haben uns seit diesem Datum deutlich über 400 Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Mitgliedschaft das Vertrauen ausgesprochen. Und wir kämpfen mittlerweile mit über 30 Kassenverbänden und über 150 Kassen um bessere Vertragsbedingungen und Preise. Aufgrund der Gesetzeslage im Sozialgesetzbuch kann eigentlich jeder einzelne Heilmittelerbringer in Verhandlungen mit den Kassen treten. Nur hatte es bisher so gut wie niemand versucht! Und da zu Anfang 2017 schon sehr früh Gewissheit darüber herrschte, dass die Kassen und damals vorhandenen Berufsverbände sich bei 10% mehr an Vergütungen einigen würden, entschlossen sich die Gründer des VDLS die Sache in die eigene Hand zu nehmen.

 

Bereits Anfang März erhielten sodann alle Krankenkassenverbände ein freundliches und zielgerichtetes Schreiben mit unseren Vorstellungen und der Aufforderung, Verhandlungen mit uns aufzunehmen. Die Reaktionen reichten von inquisitorischen Nachfragen zu unserer Satzung (tut nichts zur Sache) bis hin zu platter Nichtbeachtung. In wenigen Fällen erreichten uns etwas nettere Antworten. Offen gesagt, hatten wir natürlich auch nicht damit gerechnet, dass die Kassen sich über einen weiteren Berufsverband freuen würden, der zudem auch noch deutlich höhere Vergütung fordert. Aufgrund der großen Zahl an Kassenverbänden konnten wir uns auch nicht mit allen gleichzeitig anlegen und unseren Anwalt böse Schreiben versenden lassen, mit dem Tenor, man möge sich an das Gesetz halten.


Wir wählten den eleganteren Weg über die Aufsichtsbehörden der Kassen. Diese achten darauf, dass unsere Gesetze eingehalten wird. Denn diese Gesetze gelten auch für die Kassen! Es hört sich einfach an, aber es war das erste Mal, dass sich jemand auf diesem Wege durchgesetzt hat!

 

Eine Gruppe von Ergotherapeuten aus Hamburg hatte in 2006 versucht Verhandlungen mit den Kassen gerichtlich durchzusetzen. Und sie sind im Instanzenweg 2012 vor dem Bundessozialgericht gescheitert. Mit diesem Umstand müsste ich mich bereits im März konfrontieren und fand es  daher wesentlich zeitsparender und erfolgversprechender die Aufsichtsbehörden einzuschalten

 

Zweites Halbjahr 2017

 

Auch dieser Weg ist etwas zeitintensiv - dafür aber sehr präzise. So konnte ich Euch im Juni und Juli darüber berichten, dass der gesamte VDEK Verband (bundesweit) von dem Bundesversicherungsamt angewiesen wurde mit uns in Verhandlungen zu treten. Zugleich wurde eine Crux im Gesetzestext entdeckt, die besagt, dass man erst Vertragspartner sein muss, um über den Vertrag und die Preise verhandeln zu können! (Wir sind wegen einer Gesetzesänderung im Gespräch mit dem Bundesgesundheitministerium).

Mittlerweile wurden dem VDLS jedoch aus allen 14 Vertragsgebieten des VDEK Rahmenverträge vorgelegt, die von uns unterzeichnet wurden, um die Preise zügig verhandeln zu können.

 

Die gleiche Prozedur müssen und werden wir mit jedem weiteren Kassenverband durchführen. Ihr versteht also hoffentlich, dass diese Vorhaben etwas Zeit benötigen. Ich freue mich aber mitteilen zu können, dass wir kurz vor Abschluss eines neuen und für uns wesentlich günstigeren Rahmenvertrages in einer großen Kassenregion stehen.  Ich verzichte an dieser Stelle auf Details, weil wir bemerkt haben dass einige unserer Herangehensweise inzwischen kopiert werden. Wir rechnen mit einem Abschluss zum 1.1.2018.

 

Danach werden wir in dieser Region schnell die Preisverhandlungen führen, um dann vermutlich ein Schiedsverfahren durchzuführen. Denn die Zahlen dazu wurden bereits vor einigen Monaten überreicht und wir wollen insgesamt 50% mehr bis 2019 erstreiten. Und damit das Doppelte dessen, was die anderen Berufsverbände sich vorgenommen haben. Wir können nicht garantieren, dass wie dies erreichen werden. Es ist aber unser Ziel und wir werden alles dafür tun, dieses auch zu erstreiten. Denn mit einer Schiedsperson haben wir es erstmals mit einem "normalen" Menschen zu tun, der versteht, dass Selbstständige mit einem Verdienst auf Hartz-4-Niveau und Angestellten, die schlechter bezahlt werden als Gebäudereiniger, nicht dem Wohl der Patientenversorgung in diesem Lande dienen.

 

Aufgrund der gegenseitig einzuhaltenden Fristen in jedem einzelnem Akt dieses Szenarios rechnen wir mit den ersten Ergebnissen aus Schiedsverfahren nicht vor April 2018. Es tut mir Leid, aber da müssen wir realistisch sein. Denn z.B. der VDEK wird keinen Schritt freiwillig tun. Der Verband weiß, was ihm in einem Schiedsverfahren droht. Und dies wäre der Super-GAU sowohl für die Szene in Deutschland als auch für die anderen Berufsverbände. Denn man stelle sich vor was passiert, wenn die Mitglieder des VDLS 10% mehr Vergütungen von den Kassen erhalten würden als die Mitglieder anderer Verbände. Bis es aber so weit ist, können wir uns in den meisten Regionen immerhin auf rund 10% Erhöhungen freuen. Und für 2018 auf weitere 5%

 

Was wurde sonst noch erreicht?

 

Der VDLS kann auf eine sehr informative Homepage verweisen. Hier sind vor allem Informationen und Zahlen zu finden, zu deren Recherche andere Berufsverbände noch Spenden für ein Gutachten sammeln. Hier gilt mein Dank vor allem Gerold Kalter, der in vielen unbezahlten Stunden Material zusammengetragen hat und uns allen appetitlich zur Verfügung stellt.  Aber auch Nicola Abele hat Bemerkenswertes geleistet. Sie hat aus dem Nichts ein funktionierendes Beitragswesen erstellt. Nur durch ihre überwiegend ehrenamtliche Tätigkeit und auch durch die Unterstützung vieler, hier nicht einzeln erwähnter VDLS-Mitstreiter kann der VDLS seine günstigen Mitgliedsbeiträge darstellen.

Wir gehen davon aus, dass wir auch im kommenden Jahr ohne Mitarbeiter auskommen werden, sodass Eure Mitgliedsbeiträge möglichst umfangreich in die direkte Arbeit des VDLS fließen können. Also in die Verbesserung Eures Einkommens, Eurer Arbeitsbedingungen und die Stärkung des Ansehens und des Selbstbewusstseins unserers Berufsstandes. Wir freuen uns über unsere zahlreichen Kontakte zur Politik, zu den Ministerien und den Kassen. Jawohl - es gibt viele, die den Ansichten des VDLS sehr wohlgesonnen sind.

 

Ein wichtiger Grund für diese positive Haltung ist das Verständnis des VDLS, dass die Schicksale der Berufsgruppe zu einem großen Teil bei den in der Ausbildung befindlichen Sprachtherapeuten und den Angestellten liegen. Denn wenn die Ausbildungszahlen (2012 bundesweit bei etwa 3500) regional um 50% geschrumpft sind und darüber hinaus 50% der angestellten Therapeuten überlegen, den Beruf zu wechseln - wer soll dann zukünftig die Patienten versorgen und die Umsätze in den Praxen ermöglichen?

 

Obwohl wir uns mit dieser Haltung - als einziger Berufsverband - im Einklang mit dem Heil und Hilfsmittel Versorgungsgesetz (HHV) befinden, müssen wir bei vielen Selbstständigen erst noch dass Verständnis dafür wecken. Darüber sind wir uns klar.  Dazu gehört dann auch das nötige betriebswirtschaftliche Wissen, das Therapeuten leider nicht automatisch in der Ausbildung erwerben. Denn ohne vernünftige finanzielle Planung werden auch deutlich höhere Vergütungen nicht automatisch zufriedenere Inhaber und Mitarbeiter schaffen.

 

Beratung, Service und Mitgliedervorteile

 

Damit die Beiträge des VDLS günstig bleiben und wir den Mitgliedern trotzdem eine fachlich einwandfreie rechtliche Beratung ermöglichen können, haben wir diese Leistung als Modul mit einem etwas höherem Mitgliedsbeitrag angeboten. So können Angestellte und Praxisinhaber auf ein maßgeschneidertes Beratungsangebot durch unseren Fachanwalt zurückgreifen. Infos hierzu findet Ihr -> hier.

 

Wir konnten darüber hinaus in der kurzen Zeit einige vorteilhafte Kooperationen vereinbaren, die rein dem Vorteil unserer Mitglieder dienen! Weitere sind geplant und werden in Kürze bekannt gemacht.

 

Nicht zuletzt möchte ich einen ganz wichtigen und wirklich einmaligen Aspekt des VDLS hervorheben. Wir sind der einzige Verband, der innerhalb von Minuten mit unseren Mitgliedern Kontakt aufnehmen kann. Wir sind in der Lage, quasi sofort Eure Meinungen einzuholen oder wichtige Entscheidungen durch Euch abstimmen zu lassen. Jedes Mitglied kann von jedem beliebigen Ort ohne zusätzliche Kosten und Zeitaufwand an Mitgliederversammlungen und Abstimmungen teilnehmen!


Ich kann mich noch daran erinnern, als ich noch Mitglied im DBL war und für teures Geld nach Erfurt reisen musste, um dann dort gegen 22 Uhr mit noch rund 170 verbliebenen Mitgliedern wichtige Entscheidungen für damals noch 11.000 Mitglieder zu treffen. Unsere Mitgliederversammlung wird elektronisch durchgeführt. In unseren Facebook-Foren. Und ihr könnt die Geschicke des VDLS einfach an Eurem Computer oder mit dem Handy mit Eurer Stimme mit-entscheiden.

 

Wir wollen euch in Zukunft mit einem monatlichen Newsletter auf dem Laufenden halten. Die erste Ausgabe wird Euch in den kommenden Tagen erreichen. In dieser Mail werdet ihr auch von der Umstellung der Beitragszahlung auf das Lastschriftverfahren informiert. Das ist für euch bequem und erleichtert uns die administrative Arbeit. Seid also bitte so nett und antwortet auf diese Mail, indem ihr uns Eure IBAN mitteilt.

 

Zu guter Letzt möchte ich Euch sehr herzlich für Euer Vertrauen danken und hoffe, dass Ihr uns auch in den zukünftigen Jahren bei der Erreichung unserer und damit Eurer Ziele unterstützt.

 

Manfred Herbst