BFH Urteil erleichtert die private Nutzung eines Dienst-Pkw durch Mitarbeiter

Eine noch nicht allen Steuerberatern bekannte Entscheidung des Bundesfinanzhofes erleichtert die private Nutzung eines Dienst-Pkw

Bedingt durch die niedrigen Einkommen in unserer Berufsgruppe sind viele Arbeitnehmer nicht in der Lage, neben den üblichen Lebenshaltungskosten auch einen Pkw zu unterhalten. Dies führt vor allem in ländlichen Gegenden zu dem Problem, dass Praxen schlechter Bewerber finden als ihre Kollegen in den Ballungsgebieten.  Aus diesem Grunde haben sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer schon öfter über die Möglichkeit eines Dienstfahrzeuges nachgedacht, das dann auch privat, also auch für die Fahrt zur Arbeit und nach Hause genutzt werden kann.

Das Problem:
Jedwede Zuwendung des Arbeitgebers an seinen Arbeitnehmer unterliegt – mit wenigen Ausnahmen – der Einkommensteuer und der Sozialversicherung. Die Abzüge, die dadurch entstehen, machen die private Nutzung eines Dienstwagens sehr unattraktiv. Vor allem dann, wenn die Entfernung vom Wohnort zur Arbeit etwas größer ist.

Beispiel:
Als Dienstfahrzeug steht ein Pkw mit einem Listenpreis (Achtung: Das ist der in der Preisliste angegebene Preis ohne jeglichen Rabatt) von 15.000 € zur Verfügung. Die Mitarbeiterin wohnt 20 km entfernt von der Arbeitsstelle und nutzt den PKW auch privat. Dann ergibt sich folgende Rechnung:

  • Listenpreis des Pkw inkl. Zubehör und Sonderausstattung 15.000 € x 1%= 150 €
  • Einfache Entfernung 20 km x 0,03 % von 15.000 € = 90 €
  • Steuer - und sozialversicherungspflichtiger Betrag = 240 €


Der Mitarbeiterin werden auf der Abrechnung fiktiv 240 € zugeschlagen. Dieser Betrag und das normale Brutto ergeben das neue Brutto, von dem dann Abgaben gezahlt werden müssen. Angenommen, das bisherige Brutto beträgt 2.100 €, dann ist das neue fiktive Brutto 2.340 €. Achtung: Es erhöhen sich nur die Abgaben. D.h. von dem Netto aus 2.100 € werden die Abzüge aus dem höheren Brutto von 2.340 € abgezogen.

  • Netto vorher: 1.419,84 €
  • Netto nachher: 1.306,83 €

(Angaben basieren auf der Software WISO und sind Näherungswerte)

Achtung:

Echte Dienstfahrten werden dann natürlich nicht mehr mit den bekannten 0,30 € pro km abgegolten. Und die Spritkosten sind von dem Arbeitnehmer für die An - und Abfahrt zur Arbeit zu tragen, sonst unterliegen diese auch den Steuern/Sozialabgaben. Und zu allem Überfluss kann man dann auch keine Fahrten zur Arbeitsstelle steuerlich geltend machen! Man verliert rund 1500 € Steuervorteile pro Jahr.

 

Für den Arbeitnehmer...
In diesem Beispiel ist die Regelung für den Arbeitnehmer noch einigermaßen vorteilhaft. Wohnt dieser jedoch weiter weg, dann erhöhen sich die Abzüge schnell. Und die Haltung eines eigenen PKW ist für den Beschäftigten günstiger.

..für den Arbeitgeber sieht die Rechnung allerdings recht ungünstig aus!
Bei den genannten 2.100 € Brutto des Arbeitnehmers liegen die monatlichen Gesamtkosten inkl. der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung bei 2.507,93 €.  Stellt der Arbeitgeber nun dem Mitarbeiter das o.g. Auto auch privat zur Verfügung, dann liegen die monatlichen Gesamtkosten schon bei 2.794,55€.  Dazu kommen noch die Kosten für den PKW mit mindestens 300 €.
Der Unterschied liegt also bei insgesamt 586,62€ höheren Kosten für den Arbeitgeber!

Im Fazit kann man sagen, dass sich für den Arbeitnehmer die Kosten eines eigenen, privaten Pkw und die Nutzung eine Firmen Pkw die Waage halten. Für den Arbeitgeber ist es aber eine sehr kostspielige Lösung!

 

Erleichterung durch das BFH-Urteil

Durch das bereits in 12/2014 ergangene Urteil des BFH gibt es jedoch eine wesentlich einfachere und deutlich günstigere Lösung!


Das Leasing eines VW-Polo im Werte von rund 15.000 € kostet inkl. aller Kosten wie Versicherung und Wartung 302,92 € monatlich. Hinzu kommt noch die Kfz-Steuer mit geschätzten 15 €. Somit kostet dieses Fahrzeug rund 317 € monatlich.

Wenn nun der Arbeitgeber ein solches Fahrzeug least und an den AN mit allen Kosten weiter berechnet, dann wird diese Fahrzeug so betrachtet, als wäre es vom Arbeitnehmer angeschafft. Somit müssen weder Arbeitnehmer noch der Arbeitgeber höhere Steuern oder Sozialabgaben abführen. Und es können auch weiter die 0,30 € pro dienstlich gefahrenen KM an den Arbeitnehmer gezahlt werden. Und nicht zuletzt bleiben auch die Kilometer zur Arbeitsstelle als Werbungskosten erhalten.

Vorteile für den Arbeitnehmer
Die gleichen Kosten wie bei eigener Anschaffung eines PKW.
Die Anschaffung wird jedoch vom AG erledigt.

Nachteile für den Arbeitnehmer
Keine!

Vorteile für den Arbeitgeber

Bessere Atraktivität für Bewerber, die keinen PKW besitzen.
Deutlich günstiger als die Variante mit der Besteuerung des Arbeitnehmers, der einen Dienstwagen privat nutzt.

Nachteile für den Arbeitgeber

Er bindet sich vertraglich an den Leasingvertrag. Wechselt der Arbeitnehmer die Arbeitsstelle und der Arbeitsplatz kann nicht neu besetzt werden, dann hat der AG ein Auto zu viel.

Der voranstehende Vergleich ersetzt nicht die Beratung durch einen Steuerberater!

Hier das BFH Urteil und auch weitere Hinweise zur Besteuerung von Dienstwagen:

 

https://www.smartsteuer.de/online/lexikon/f/firmenwagenueberlassung-an-arbeitnehmer-lexikon-des-steuerrechts/